Bundestrojaner - online Überwachung - Polizeistaat
Die Diskussion war schon fast im Sommerloch versunken - doch nun geht es bestärkt in die nächste Runde.
Aktuelle Geschehnisse heizen die Debatte um den Bundestrojaner wieder auf.
Die Feinde der offenen Gesellschaft
Wer seinen Popper gelesen hat der weiß, dass die Feinde der offenen Gesellschaft in ihrem Inneren lauern. Zu den populärsten Feinden der Freiheit unserer deutschen Gegenwart dürfte zweifellos Herr Schäuble gehören.
Unter dem Vorwand die totale Sicherheit für den braven deutschen Staatsbürger herstellen zu wollen sollen die demokratischen Grundrechte immer weiter beschnitten werden. In Wahrheit soll nicht der Bürger sondern der Staat geschützt werden (Staatssicherheit).
Als technischer Blog will ich mich aber nicht weiter zur gesellschaftlichen Situation äußern sondern den ganz besonderen Unsinn dieser populistischen Auswürfe aus technischer Sicht betrachten.
Weitere meist inhaltsleere politische Aussagen zum Thema findet man bei Interesse hier
Die technischen Aussichten
Jetzt fragt man sich als technisch informierter Mensch, wie denn die Bundesregierung das anstellen will - meine Festplatte auszuspähen. Der erste Plan war ja, einen Virus (Trojaner) über EMails einzuschleusen. Wie blöd das ist, ist aber allen recht schnell aufgefallen. Ein paar weitere ziemlich blöde Ideen folgten - und wurden schnell wieder verworfen. Wegen technischer Probleme sollen die Bürger nun in vorauseilendem Gehorsam den Trojaner erstmal selbst installieren
Der aktuelle Aktionsplan sieht folgendes vor:
Die Regierung hat ja schon bei allen deutschen Providern Hooks auf den Netzen sitzen um den Netzverkehr zu überwachen (Emails auf Schlüsselwörter wie “Bombe bauen”, “Regierung stürzen” überwachen etc.). Diese Hooks werden benutzt, um bei ungesicherten Downloads von Programmen aus dem Internet den Bundestrojaner mit zu schicken und dann zu installieren. Keine schlechte Idee, das dürfte bei etwa 90% der deutschen Bevölkerung klappen - nämlich bei allen technisch unbedarften Windows Nutzern (”Ein Sicherheits-Update ist verfügbar, klicken Sie hier um das Programm jetzt zu installieren”) - also bei allen harmlosen Bürgern. Bei Firmen-PC’s sehe ich da wegen diverser Firewalls und Installationsbeschränkungen schon mal eher schwarz. Wenn die angehenden Terroristen jetzt aus der Presse gewarnt sind, schätze ich mal werden auch die bei ihren Downloads vorsichtiger.
Im Übrigen wird spätestens die Rückübertragung der Ergebnisse des ausspionierten Bürgerrechners an die Bundesonlineüberwachungsagentur von allen gängigen Firewalls geblockt werden.
Problem 2: Worunter Bill Gates schon seit Jahren leidet wird auch Schäuble zum Verhängnis: Es gibt nicht nur Windows auf der Welt. Wie spioniert denn der Bundestrojaner eine AIX Installation aus? Oder eine “Red Linux”? Zumindest die Führungsebene der diversen Terroristenagenturen dürfte nicht ganz blöd sein, evtl. lassen die dann einfach ein “Terror-Linux” entwickeln.
Der Bundesdongle
Bleibt die Hardwarelösung: Alle in der BRD verkauften Netzwerkkomponenten müssen per Agenturdekret mit einem Backdoorchip für Schäuble (”Schäuble-Backdoor“) ausgestattet werden. Netzwerkkomponenten aus dem Ausland dürfen nicht mehr importiert werden. An den Grenzen wird wieder kontrolliert und an den Flughäfen muss Post und Gepäck über Megamagneten “elektrisch desinfiziert” werden.
Findige Bastler werden auch diese Möglichkeit aushebeln.
Ergebnis
Eine technische Möglichkeit der unbemerkten Online-Durchsuchung existiert nicht. Alle Rufe der Politiker in diese Richtung entstehen entweder aus Ahnungslosigkeit, aus vorsätzlichem Populismus oder aus dem verachtungswürdigen Vorhaben, die Angst der Bürger zur Ausweitung der eigenen Macht oder Popularität zu nutzen.
Die offene Gesellschaft muss sich mit Ihren äußeren Feinden auf anderem Niveau auseinander setzen und den Terrorismus an der Wurzel bekämpfen. Ein Rest Unsicherheit ist der Preis der Freiheit!











September 13th, 2007 at 10:25 pm
…unter Linux geht das dann über das Systemupdate (aptget, yast oder Red Hat updater)… ist dann im neuen Kernelpatch eingebaut
… My 2 Cents
September 14th, 2007 at 6:52 am
Mein Handy kann auch WLAN und Mail (Symantec S60 OS), also - wie kommt der Bundestrojaner aufs Handy?
Es gibt viel zu tun für die Leute vom Amt…
June 15th, 2008 at 1:38 pm
[…] mehr als fraglich. Dass solche Gesetze und auch härtere Strafen gegen Datenmissbrauch (!) und Online-Überwachung dringend notwendig und zeitgmäß ist, zeigt vielleicht eine weitere aktuelle Meldung von […]
November 17th, 2008 at 12:42 am
[…] mehr als fraglich. Dass solche Gesetze und auch härtere Strafen gegen Datenmissbrauch (!) und Online-Überwachung dringend notwendig und zeitgmäß ist, zeigt vielleicht eine weitere aktuelle Meldung von […]