Gehört zwar überhaupt nicht hierher, weil es aber so empörend ist, dieser Post:
Pech hatte Lea-Sophie aus Schwerin. Sie wog am Tag ihres Todes gerade noch sieben Kilo. Die Haare waren der Fünfjährigen büschelweise ausgefallen, sie war wundgelegen, stank nach Fäkalien, in denen sie hatte liegen müssen. Ihre Eltern ließen das Kind verhungern und verdursten. Von Schuldzuweisungen will Schwerins Oberbürgermeister nichts wissen: Das Jugendamt könne nicht jede Familie kontrollieren, sagte Norbert Claussen (CDU) heute bei einer Pressekonferenz. “Es hätte in jeder anderen Stadt passieren können, und der, dem es passiert ist, hat in diesem Fall Pech gehabt”. Laut Stadtverwaltung ging acht Tage vor dem Tod Lea-Sophies ein anonymer Hinweis beim Jugendamt ein, in dem sich mutmaßlich ein Nachbar um das Wohl des acht Wochen alten Bruders von Lea-Sophie sorgte. Der Mitarbeiter habe mit den Informationen, die ihm vorlagen, “eine subjektiv richtige Entscheidung getroffen, die am Ende objektiv falsch war”, sagte Claussen. Sozialdezernent Hermann Junghans (CDU) erklärte: “Wir erkennen nicht, dass der Mitarbeiter zwingend hätte anders handeln müssen.” Laut Jugendamt habe keiner der beiden zu wenig Zeit gehabt oder sei überlastet gewesen. “Vorschriftsmäßig, ordnungsgemäß und sachgerecht” sei das Verhalten der Jugendamtsmitarbeiter gewesen, sagte Oberbürgermeister Claussen. Bei der Festnahme galten die Gedanken des Vaters auch den Haustieren, nicht dem eigenen Kind. “Kümmert euch bitte um meine Hunde und Katzen!”, rief der gelernte Autolackierer, der - wie seine Partnerin - arbeitslos ist und von Hartz IV lebt. Das Jugendamt ist sich in diesem Fall nach wie vor keiner Schuld bewusst. Die Stadt Schwerin veröffentlichte nun ein Protokoll, in dem die Kontaktaufnahmen zu der Familie von Lea-Sophie aufgelistet sind. Die Mitarbeiter des Jugendamtes sollen sich gemäß dem feststehenden Regelwerk verhalten und sich so keiner Versäumnisse schuldig gemacht haben. Dem verhungerten Kind hatten sie aber so nicht geholfen. Eine Ärztin, die das Mädchen im Krankenhaus sah, sprach gegenüber der Schweriner Volkszeitung von “Hungerödemen” und “offenen Wunden am Körper”. Die Haare wären Lea-Sophie “büschelweise ausgefallen”, ihr Körper war von Fäkalien verdreckt. Offenbar sei das Kind über Monate vernachlässigt worden. Dabei hatten nur 14 Tage vor dem Tod des Mädchens zwei Mitarbeiter des Jugendamts die Familie aufgesucht, nachdem bei der Behörde ein anonymer Hinweis eingegangen war. Die Mitarbeiter hätten jedoch “keine Auffälligkeiten festgestellt”, sagte der Schweriner Sozialdezernent Hermann Junghans auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz am Mittwoch. Beim Verdacht auf Kindeswohlgefährdung gebe es ein “konkret geregeltes Verfahren, das abgearbeitet wird”. Er habe keine Hinweise, dass die Mitarbeiter des Jugendamtes sich nicht an diese Vorschriften gehalten hätten.
Aneinandergereihte Exzerpte aus:
Spiegel, TAZ, und Welt